Du und dein Alltagsrassismus. Noah Sow. Deutschland Schwarz Weiss

Lehrreich, augenöffnend und teilweise sehr schmerzhaft fand ich die Lektüre von Noah Sow. Schmerzhaft, weil das Buch mir bewusst gemacht hat, dass ich so verdammt wenig Ahnung habe davon, was Rassismus eigentlich alles bedeutet. Vor allem für die Betroffenen.

Noah Sow berichtet davon, wie es ist, als person of color in Deutschland aufzuwachsen, zur Schule zu gehen, zu arbeiten. Allein davon zu lesen, ist verdammt zermürbend.

Es ist ein wichtiges Buch, das ich hiermit ALLEN extrem ans Herz lege. Denn es beschäftigt sich mit Alltagsrassismus und wie dieser in uns privilegierten weißen Deutschen verankert ist. Ich weiß, dass ihr alle denkt: muss ich nicht lesen, ICH bin ja wohl nicht rassistisch! Weil ich das genauso dachte. Aber ich muss euch leider enttäuschen, wir alle sind in rassistischen Strukturen und Denkmustern erzogen worden und was mir dieses Buch gelehrt hat, ist: es geht bei der Bekämpfung von Rassismus vor allem darum, sich selbst zu entlarven und an den eigenen Verhaltensweisen zu arbeiten, bevor man mit dem Finger auf andere zeigt. Ehrlich mit sich zu sein. Sich nicht darauf auszuruhen, dass man sich für aufgeklärt und ach so tolerant hält. Ich sag’s mal mit dem Slogan eines bekannten Baumarkts: es gibt immer was zu tun.

Wirklich spannend ist, was Noah Sow zum Beispiel über alltagsrassistische Sprache in den Medien schreibt. Wie durch die Wortwahl und die verwendeten Bilder allein in unseren Köpfen Stereotype entstehen, derer wir uns gar nicht bewusst sind. Wie sogar Hilfsorganisationen wie UNICEF sich dieser alltagsrassistischen Idiome bedienen. Und dass das einfach NICHT OK ist.

Niederschmetternd auch das Kapitel über Kinderbücher: es gibt tatsächlich so so wenig Bücher für Kinder, in denen people of color ganz selbstverständlich als Protagonisten auftauchen, ohne dass ihre Hautfarbe thematisiert wird und ohne, dass es in dem Buch dann um Toleranz anderen Nationen und Kulturen gegenüber geht. Wie sollen denn unsere Kinder lernen, dass es ganz fucking normal ist, mit Kindern, die andere Hautfarben haben, zu spielen und aufzuwachsen und zu leben, wenn schon in der Lektüre für die ganz kleinen eine Gesellschaft gezeichnet wird, in der people of color immer einen erwähnenswerten Sonderstatus haben?

In Sows Buch geht es aber noch um so viel mehr. Sämtliche Bereiche des Lebens werden von ihr auseinandergenommen und hinsichtlich des verankerten Alltagsrassismus entlarvt. Ich hoffe sehr, dass möglichst viele Menschen dieses Buch lesen und so offen und ehrlich mit sich selbst sind, die aufgezeigten Verhaltensweisen bei sich selbst zu erkennen. Selbstkritik ist immer der erste Schritt! Und ab da kann man ja zumindest versuchen, es besser zu machen.

Noah Sow. Deutschland Schwarz Weiss. Der alltägliche Rassismus
Erstmalig erschienen 2009 bei Goldmann. Bearbeitet und ergänzt neu erschienen 2018 bei Books on Demand
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