Die Frau in der Warteschleife. Dorothy Parker. New Yorker Geschichten [GER & ENG]

(to see the english version, click here)

Dorothy Parker war eine der ersten Theater- und Literaturkritikerinnen New Yorks, schrieb für Magazine wie die Vanity Fair und die Vogue und veröffentlichte zunehmend eigene Texte.

Zusammen mit ein paar namhaften Freunden gründete sie den später sehr berühmten literarischen Zirkel im Algonquin Hotel – überhaupt verbrachte sie sehr viel Zeit in Hotels und lebte damit wohl ein derart unkonventionelles Leben, das für die meisten Frauen in den 20er,30er Jahren undenkbar gewesen wäre. Um genau diese Frauen geht es oft in Parkers Texten: obwohl sie herrlich bissig schreibt und ihr zynischer Blick auf die Gesellschaft ihrer Zeit großartig ist, so bleibt doch unterm Strich zu sagen, dass die Frauen damals größtenteils eins waren: erschreckend unmündig und abhängig von Männern.

In ihren New Yorker Geschichten begegnen wir zahlreichen Frauenfiguren – von der High Society Dame (die in ihrem Tagebuch darüber berichtet, dass das schlimmste, was ihr jemals widerfahren ist, das Ereignis war, als ihr der Fingernagel abbrach), über die ausgebildete Kinderpflegerin (die aufgrund ihrer äußeren Erscheinung von ihren Arbeitgebern hinter ihrem Rücken „Pferdchen“ genannt und aufs Übelste bloßgestellt wird) bis hin zur blutjungen Ehefrau, die tagein, tagaus auf die Rückkehr ihres Mannes von einer Geschäftsreise wartet (spoiler: he’s not coming back). Sie alle und die zahlreichen anderen haben gemein, dass sie keinen Entfaltungsradius haben, immer auf ihr Äußeres und den sozialen Status reduziert werden, immer weit unter ihren persönlichen Möglichkeiten bleiben. Viele verlieren sich in Lamgeweilebekämpfungsmaßnahmen wie der Tratscherei und dem Alkohol.

Auch Dorothy Parker, die als schreibende Frau stets dafür gekämpft hat, dieselbe Anerkennung zu erfahren wie ihre männlichen Kollegen, verlor sich und ihr Potenzial an den Alkohol. Ob es daran lag, dass sie es als Frau in ihrer Zeit einfach sehr schwer hatte, kann ich nicht beurteilen. Fakt ist, dass sie sowohl in ihrem politischen als auch in ihrem feministischen Engagement massiven Gegenwind erhielt. Die Beschäftigung mit Dorothy Parkers Person finde ich, wie so oft bei den Menschen hinter den Texten, extrem spannend. Und auch wenn natürlich das Frauenbild in ihren Geschichten glücklicherweise total überholt ist, lohnt die Lektüre doch sehr.

Denn woraus lernen, wenn nicht aus Vergangenheit?

Dorothy Parker. New Yorker Storys
Veröffentlicht  1995 im Rowohlt Taschenbuch Verlag; der Artikel bezieht sich auf eine einmalige Sonderausgabe von 1997
Die Originalausgabe erschien 1944 unter dem Titel The portable Dorothy Parker bei Viking Press

The waiting women. Dorothy Parker. New York Stories

Dorothy Parker was one of the first female critics for theatre- and literature in New York. She was writing for magazines like Vanity Fair and Vogue and then focused more and more on publishing her own texts. She was involved in the founding of the famous literary club in the Algonquin Hotel – fun fact: she spend a lot of her life in hotels. To other people, she must have appeared as very unconventional as the life she was living was one most women in the 1920s and 1930s never dared to dream of. These are the women Parker often referred to in her short stories. Her narrating voice is sharp, snappy and witty and she bemoans the women of her time to be disturbingly dependent on men.

In her New York Stories Dorothy Parker writes about various types of women – for example the high society lady (who tells her diary the worst thing that ever happend to her was when her nail broke), the nursemaid (who is secretely called „horsey“ by her employers because of the shape of her face and who gets ridiculed in the most cruel way by them) and the young wife who is waiting day in, day out for her husband to return from a business trip (spoiler alert: he’s not coming back). What these women and all the others in the stories have in common is that they have not got opportunities to do what they might want to do, their experiences are extremely limited and they permanently get judged on their appearance and their social status. Many of them find their own dangerous ways of fighting loneliness and boredom: the gossip, the alcohol.

Unfortunately, Dorothy Parker, whose lifelong fight was to stand up for the rights of writing women, lost herself and her potential to alcohol. The oppositions at that time she had to face must have been huge. Feminism and the rights of women didn’t have many supporters at that time. Of course, the images of women you find in Parker’s stories are nothing like the women nowadays. Nevertheless I find these stories entertaining because of the way they’re written and I think there is still a lot they can teach us today, because the best way to learn anything for the future is to look at the past.

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