(K)ein Jugendbuch. Laura Bates. Girl up

Laura Bates ist Journalistin und schreibt Bücher über feministische Themen. Leider sind diese noch nicht auf deutsch erschienen, den englisch-lesenden unter euch möchte ich sie aber sehr ans Herz legen.

Zumindest erst einmal Girl up. Ihren Erstling, Everyday Sexism, und den neuesten Titel Misogynation habe ich selbst noch auf der Liste und werde diese hier sicherlich bald vorstellen.

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Girl up richtet sich vor allem an Mädchen und junge Frauen in den Zwanzigern. Ich halte es aber in jedem erdenklichen Alter für lesenswert, vor allem, wenn man sich bislang mit Feminismus und dem eigenen Selbstbild als Frau noch nicht weiter auseinander gesetzt hatte, ABER schon immer vom Gefühl begleitet wird, dass hier irgendwas verdammt noch mal nicht stimmt. Wie Jungs/Männer mit mir reden und mich behandeln zum Beispiel. Wie ich immer wieder mit meinem Körper in Relation zu sogenannten Idealbildern konfrontiert werde und mich darüber definiere, wie andere mich sehen und bewerten und mir Rollen zuweisen wollen.

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In Girl up macht Laura Bates Mädchen und Frauen Mut, Missstände zu erkennen und sich zu trauen, diese anzuklagen. Zwischen Flirten und sexueller Belästigung besteht nämlich sehr wohl ein Unterschied und dieser kann sich auch im Verlauf der Situation erst auftun. Oft ist es ja so, dass Frauen gern der Vorwurf gemacht wird, sie seien an Übergriffigkeiten selbst schuld. Bullshit! So wie ganz vieles mehr. Die Kapitel über den Umgang mit Selbstbildnissen, vor allem mit intimen Fotos, im Internet und beispielsweise auf WhatsApp oder generell im Austausch mit anderen; über die vermeintliche Wichtigkeit von Popularität; über Frauendiskriminierung in der Schule und in der Arbeitswelt oder über die verzerrten Frauenbilder in Pornos richten sich in der Ansprache zwar an die oben genannte Zielgruppe, doch sind sie auch für Leserinnen, die das Erwachsenenalter schon eine Weile rocken, sehr aufschlussreich und anspornend, sich hinsichtlich bestimmter Themen mal selbst zu hinterfragen. Ich kann die Kapitel über die weiblichen Geschlechtsteile und über Sex sehr empfehlen.

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Laura Bates trifft mit diesem Buch genau den richtigen Ton. Witzig, direkt und flapsig jongliert sie mit Fakten und eigenen Erfahrungen, mit denen sich die Leserinnen sicherlich sehr oft identifizieren können. Und ganz ehrlich, die angesprochenen Themen haben wir ALLE. Egal, wie alt wir sind.
Großartig übrigens auch die Illustrierung, mit der der Text aufgelockert und veranschaulicht wird. Mal als Schaubild, mal als eine Art kleiner Cartoon, mal als doppelseitiger Spruch in Postkartenoptik. Das dürfte die Sehgewohnheiten vor allem der Internet-Generation ansprechen und reduziert natürlich auch den Eindruck, von einer Textmasse erschlagen zu werden (den glaube ich leider vor allem viele Jugendliche schnell bekommen, wenn sie ein Buch zur Hand nehmen).

Ich bin vor allem Fan der tanzenden Vaginas. Sollte es das jemals als Tapete geben: Meine Küche freut sich schon drauf.

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Laura Bates. Girl up
Erschienen 2016 bei Simon and Schuster
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1 Kommentar zu „(K)ein Jugendbuch. Laura Bates. Girl up“

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