Bildet Banden. Annelie Wagner & Christopher Tauber. Frankfurt 1918/19 – Heraus aus der Finsternis.

Am 19. Januar 2019 jährte sich die Einführung des allgemeinen Frauenwahlrechts in Deutschland zum 100. Mal. Anlässlich dessen habe ich an diesem Tag einen Artikel über ein Buch gepostet, das sich gut eignet, um sich dem Thema Feminismus in seinen zahlreichen Ausprägungen und Unterthemen anzunähern.

Die meisten Bücher zum Thema richten sich an Erwachsene oder an eine Leserinnenschaft, die den Kinderschuhen bereits entwachsen ist. Ich halte es allerdings für ungeheuer wichtig, dass wir auch gerade die Kinder an die Thematiken heranführen, die hoffentlich irgendwann in der Zukunft zu einem tiefgreifenden gesellschaftlichen Wandel und zu einem Umdenken in sämtlichen Lebensbereichen führen. Ich würde nicht sagen, dass bei uns Erwachsenen schon Hopfen und Malz verloren ist, aber vermutlich werden wir (leider) den ersehnten Wandel in Punkto völlige Gleichstellung nicht mehr erleben.

Umso erfreulicher also, dass der Kinderbuchmarkt gerade förmlich boomt, was diverse und feministische Kinderbücher angeht. Man könnte beklagen, dass sich die großen Verlage immer noch weigern, ihre Protagonistinnen mal fernab gängiger Rollenklischees zu zeichnen und sie sich mit Themen befassen lassen, die wichtig sind. Man könnte sich aber auch einfach darüber freuen, dass zumindest hier und da Bücher gemacht werden, die in die richtige Richtung weisen, die sich „was trauen“, wie man sicherlich in den Marketingsitzungen mit vor Aufregung schweißnasser Stirn feststellen würde. Und vor allem sollte es ein Grund zur Freude sein, dass eben die kleinen Verlage, die sich von Anfang an auf Alternativen zum Mainstream ausrichten, so vielleicht mehr wahrgenommen und gestärkt werden.

Mit Heraus aus der Finsternis legen die Illustratorin Annelie Wagner und der Autor Christopher Tauber eine Graphic Novel für Kinder ab 8 Jahren vor, die sich auf eine spielerische Art mit dem Thema der Einführung des Frauenwahlrechts befasst.

Im Frankfurt des Jahres 1918 begleiten die Leserinnen die Freundinnen Käthe, Jenny, Franziska und Josephine, die sich gegen Jungs-Straßenbanden behaupten müssen. Regelmäßig werden sie von den Jungs schikaniert und unterdrückt. Und schnell stellen sie fest, dass es diese Strukturen in allen Vierteln Frankfurts gibt. Sie orientieren sich am Vorbild der Frauen um sich herum (Mütter, Schwestern, Tanten, Nachbarinnen…), die parallel für ihre Emanzipation und das Recht, zu wählen, kämpfen, und beschließen, sich zu Banden zusammenzuschließen und sich gegen die Vorherrschaft der Jungen zur Wehr zu setzen. Sie gründen den ersten Frankfurter Verein für Mädchen gegen Gewalt, gestalten Flugblätter und planen eine öffentliche Kundgebung. Das ist einerseits toll, weil dadurch der anfängliche Plan, mit Gewalt zurückzuschlagen, verworfen wird. Und anderseits bekommen die Leserinnen so am Rande mit, wie die erwachsenen Frauenfiguren um die Protagonistinnen herum agieren und ihre Probleme klingen an, der Fokus liegt aber kindgerecht auf den Belangen der kindlichen Charaktere, was diese nicht nur zu Identifikationsfiguren macht, sondern auch vermeidet, dass das Ganze den unliebsamen Charme eines Lehrbuches bekommt. Auf diese Art vermittelt das Buch im Rahmen der Erlebnisrealität der Kinder historische Umstände und Entwicklungen – ein ganz wichtiger Punkt, den Kinderbücher, die historisches Wissen vermitteln wollen, leider oft nicht beachten. Wer sich darüber hinaus dann doch noch für Hintergrundfakten interessiert, findet im Anhang ein Glossar, in dem im Text auftauchende Begriffe und Namen, wie die der Frauenrechtlerinnen Meta Quarck-Hammerschlag und Tony Sender, erklärt werden.

Heraus aus der Finsternis ist in Zusammenarbeit des Jungen Museums Frankfurt und des Zwerchfell Verlags entstanden. Es begleitet die Ausstellung „Dagegen? Dafür! – Revolution. Macht. Geschichte“, die noch bis zum 22. März 2019 im Jungen Museum in Frankfurt zu sehen ist.

Falls dieser Artikel zufällig von LehrerInnen gelesen wird: das Buch wäre sicher eine prima Lektüre für den Unterricht in 5., 6. und 7. Klassen, um das Thema Emanzipation/Frauenwahlrecht einzuführen. Und um es überhaupt in der Schule anzusprechen. Denn auch das ist etwas, das langsam echt mal passieren sollte: dass in der Schule über diese Dinge geredet und der Lehrplan der Realität angepasst wird.

An dieser Stelle noch ein Dank an den Zwerchfell Verlag für das Bereitstellen des Leseexemplars.

Frankfurt 1918/19 – Heraus aus der Finsternis von Annelie Wagner und Christopher Tauber ist als Kooperation zwischen dem Jungen Museum Frankfurt und dem Zwerchfell Verlag 2018 erschienen.

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