Jane Austen Retold. Narinder Dhami & Èglantine Ceulemans. Awesomley Austen. Jane Austen’s Persuasion.

I’ve got a confession to make: Letztes Jahr habe ich mir vorgenommen, endlich mal alle Jane-Austen-Romane zu lesen, die ich noch nicht kannte (was außer Stolz und Vorurteil eigentlich alle waren) und bin schon beim ersten Buch, Persuasion, gescheitert. Den Text hatte ich mir als wunderbare Schmuckausgabe von Penguin Classics gekauft. Nach ungefähr 30 Seiten fand ich ihn zu anstrengend. Über die Hälfte meiner Lektüren sind derzeit auf Englisch, aber ältere Texte in Originalsprache sind einfach noch mal etwas anderes. Die kann ich nicht einfach so weglesen wie zeitgenössische Romane. Ich finde manchmal schon deutsche Texte, die vor 100 Jahren verfasst wurden, anspruchsvoll. Interessant, spannend und unterhaltend, aber eben auch anspruchsvoll, weil wir den Sprachduktus, die verwendeten Vokabeln und natürlich auch die im Text beschriebene Gesellschaft nicht gewohnt sind. Alte Texte in einer Nicht-Muttersprache zu lesen erfordert deshalb etwas mehr Zeit und Konzentration, und wenn man die gerade nicht aufbringen kann, findet man sich dann eben nach einigen Kapiteln mit der Feststellung wieder, dass man grade völlig den Faden verloren hat.

Sehr zufällig stolperte ich einige Zeit nach diesem Austen-Fehlversuch dann über eine neue Kinderbuchreihe, die mein Herz sofort höher schlagen ließ: Awesomely Austen macht Jane Austens Romane für Kinder lesbar und versieht sie sogar mit Illustrationen. Die sind wirklich super gelungen, die Figuren sehen witzig und absolut sympathisch aus, transportieren durch Kleidung und diverse Elemente das Flair der erzählten Zeit, haben aber gleichzeitig einen ganz modernen Comic-Charakter. Durch liebevolle Details versieht die Illustratorin Èglantine Ceulemans ihre Zeichnungen mit kleinen Schmankerln, die es zu entdecken gilt. Der von Narinder Dhami (und bei den anderen Büchern noch weiteren Autorinnen) nacherzählte Text bewegt sich inhaltlich sehr nah am Original, die Sprache ist aber wesentlich moderner und einfacher zu lesen und somit auch für Erwachsene, die sich Austens Texten annähern wollen, aber keinen Bock auf die alten Schmöker haben, eine richtig gute Sache.

In Persuasion geht es um Anne, die dem Wunsch ihres Vaters folgend einen Heiratsantrag ablehnt – und dies noch Jahre später bitterlich bereut. Als sie ihren ehemaligen Geliebten Frederick Wentworth schließlich wiedertrifft, scheint es nicht so, als wäre die Beziehung der beiden jemals wieder zu kitten. Er interessiert sich auch einfach mal so gar nicht mehr für Anne, sondern macht einer anderen den Hof. Anne bandelt zwar auch mit einem anderen jungen Mann an, aber eigentlich gehört ihr Herz Freddie – und darüber wird sie zunehmend trauriger. Ob es wohl ein Happy End gibt, fragt ihr euch? Ohne das jetzt spoilern zu wollen: Hey, we‘re talking about the größte Liebesgeschichtenautorin ihrer Zeit.

Klingt so, wie man sich eine Jane-Austen-Storyline vorstellt. Was mir gut gefällt, sind die Frauenfiguren Austens, allen voran Anne, die sich den gesellschaftlichen Standards ihrer Zeit nicht so ganz fügt, und die auch nicht so viel um Männer und ums Heiraten gibt, sondern lieber Bücher liest. Ihre Mentorin ist Lady Russell, eine etwas ältere, alleinstehende Frau, die Anne immer mit gutem Rat zur Seite steht (und manchmal auch mit weniger gutem, zum Beispiel das eine Mal, als auch sie ihr davon abriet, Frederick zu heiraten, aber naja, jede*r irrt sich mal). Die beiden reisen viel zusammen herum, sodass Anne glücklicherweise nicht so viel Zeit mit ihrer älteren Schwester und ihrem Vater verbringen muss, die beide unerträglich erfolgs- und geldgierig sind und die das Anwesen der Familie verkaufen wollen, wodurch die ganze Handlung erst so richtig in Fahrt kommt, weil Anne deshalb eine Weile bei ihrer anderen Schwester und deren Familie wohnt, wo sie dann auch wieder auf Frederick trifft. Verstrickungen und Zufälle, das sind so die Zauberzutaten der Jane Austen. Herrlich!

Cool ist auch der kleine Anhang, in dem den Leser*innen erklärt wird, wie es 1817 so aussah in England. Mit welchem Alter man geheiratet hat zum Beispiel, und dass Krankheiten und Verletzungen damals viel gefährlicher für die Leute waren (im Buch fällt der kleine Sohn von Annes Schwester die Treppe runter und es bricht ein großes Drama los, und das Mädchen, mit dem Frederick anbandelt, liegt auch wochenlang krank im Bett).

Alles in allem habe ich da einen kleinen Kinderbuchschatz entdeckt, und ich hoffe inständig, dass die Bände auch in Deutschland erhältlich sein werden.

Mein Objekt des Scheiterns: Persuasion aus der Penguin-Classics-Reihe.

Neben Persuasion sind in der Reihe 2019 Pride & Prejudice und Emma bei Hodder and Stoughton  erschienen. 2020 werden außerdem noch Northanger Abbey, Mansfield Park und Sense & Sensibility erscheinen. Über etwaig geplante deutsche Übersetzungen konnte ich noch nichts in Erfahrung bringen, aber da lohnt es sich, mal ein Auge auf den deutschen Kinderbuchmarkt zu behalten.

Persuasion von Jane Austen wurde zum ersten Mal im Jahre 1817 veröffentlicht.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s