Mein Monat in Büchern: Februar

Gefühlt habe ich im Februar gar keine Zeit zum Lesen gehabt. Ein Blick auf meinen Bücherstapel verrät allerdings, dass da doch einiges zusammengekommen ist. Manches Buch war ein echtes Highlight, andere wiederum haben mich nicht begeistern können.

  • Nino Haratischwili: Das achte Leben (Für Brilka) – Ich hatte Lust auf einen dicken Klopper, in dem ich mich bestenfalls eine Weile verlieren kann. Das hat geklappt. Und wie wunderbar ist dieses Buch! Ich war ganz berauscht, konnte mich gar nicht losreißen. Erzählt wird die Geschichte einer Familie in Georgien über mehr als ein Jahrhundert (vom ersten Weltkrieg bis in die heutige Zeit) hinweg mit wechselnden Figuren im Fokus. Es ist eine Wahnsinnsleistung der Autorin, so viele Menschenleben und Schicksale miteinander zu verweben und in historische und politische Kontexte einzubetten. Es hat mir viel Freude bereitet, die lange Familiengeschichte nachzuverfolgen. Die letzten vierhundert Seiten fand ich aber zu lang und redundant, es hätte dem Buch sicher gut getan, wenn es gekürzt worden wäre. Trotzdem bleibt es insgesamt sehr, sehr gut. 
  • Cho Nam-Joo: Kim Jiyoung, geboren 1982 – Dieses Buch fand ich inhaltlich sehr spannend, weil ich mich generell für das Leben in Korea interessiere. Und natürlich für Frauenleben in den unterschiedlichsten Ländern und Kontexten. Auch formal war es interessant, Fiktion wird hier mit einer Sachebene zusammengebracht (in Form von Statistiken etwa), wodurch das Universelle der Geschichte unterstrichen wird: So wie Kim Jiyoung geht es allen Frauen in Korea. Den Artikel dazu findet ihr hier
  • Vera Brittain: The Testament of Youth – Vor einer Weile habe ich die Verfilmung gesehen und fand sie wahnsinnig bewegend. Jetzt war der zeitliche Abstand groß genug, um das Buch zu lesen. Ich lese gerne Geschichten und Biografien, die Anfang/Mitte des vorigen Jahrhunderts spielen und die mir verschiedene Perspektiven auf die Kriege zeigen, mir das Abstrakte, Unfassbare der Weltkriege etwas greifbarer machen, mir zeigen, dass dahinter unzählige Einzelschicksale standen. Ein Artikel zu diesem Buch folgt bald.
  • Harper Lee/Fred Fordham: To Kill a Mockingbird – Eine wunderschöne Graphic-Novel-Adaption des Klassikers von Harper Lee! Ich hatte den Roman vor Jahren mal gelesen, durch diese Adaption aber noch mal ganz neu entdeckt. Sehr zu empfehlen. Hier findet ihr meine Rezension.
  • Margarita Liberaki: Drei Sommer – Hier mal ein Beispiel dafür, dass ich nicht über jedes Rezensionsexemplar lobende Hymnen schreibe und dass es durchaus auch welche gibt, die mich leider nicht begeistern können. In diesem Fall fand ich das besonders schade, denn das Thema sprach mich sehr an: es erzählt vom Erwachsenwerden dreier Schwestern, die in der Idylle der griechischen Provinz leben. Das Buch ist wohl ein Klassiker der griechischen modernen Literatur und mir haben die atmosphärischen Beschreibungen der Landschaft und des Settings allgemein und auch die Figurenzeichnung sehr gut gefallen. Allerdings ist das so ein Buch, das überhaupt nicht handlungsgetrieben ist, keinen ersichtlichen roten Faden hat und immer wieder weit abschweift – ich wollte es wirklich mögen, aber ich habe zwei Wochen daran herumgelesen, immer wieder andere Bücher eingeschoben und dann schließlich irgendwo in der Mitte eingesehen, dass es mich einfach nicht packt.
  • Michael Belanger: 254 Tage mit Jane Doe – Ein richtig gutes Jugendbuch über die erste Liebe und den Verlust eines Menschen. Erzählt wird über die Zeit vor und nach dem Selbstmord von Rays Freundin Jane. Trotz des schweren Themas ist der Roman sehr hoffnungsvoll und auch sehr humorig geschrieben. Ich mochte vor allem die Message: man kann nicht alles erklären. Es geht um Depressionen und wie schwer die für das Umfeld einer betroffenen Person zu greifen sind und ist dabei überhaupt nicht klischeehaft. Hat mir viel besser gefallen als das thematisch ähnliche und sehr gehypte Tote Mädchen lügen nicht.
  • Ursula Poznanski: Saeculum – Und noch ein Jugenbuch. Ursula Poznanski finde ich eh super: sie schreibt so mitreißend und spannend, total szenisch und lebhaft. Ich suchte ihre Romane immer förmlich durch. Saeculum hat mich sogar mal bis in die Nacht wach gehalten, weil es so spannend und gruselig war, dass ich einfach nicht aufhören konnte. Dabei lese ich selten Thriller und das Thema dieser Geschichte, eine Mittelalterrollenspiel-Convention mitten im Wald, die aus dem Ruder läuft, spricht mich normalerweise auch echt nicht an. Aber Poznanski könnte wahrscheinlich auch über die Teletubbies schreiben und ich würde es lesen wollen. 

Monat in Büchern

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